Provinssirock-Festival in Seinäjoki vom 15.06. - 16.06.12
Wir wollen tief in die (Rocker-) Seelen der Finnen blicken und haben daher für nicht ganz günstiges Geld zwei Karten für das in Finnland legendäre Provinssirock - Festival in Seinäjoki ergattert. Die Tickets konnten wir noch relativ problemlos in einem Tikketi-Office in Helsinki ergattern, die Reservierung eines Parkplatzes (und hoffentlich auch Campingplatzes) war wg. Zusammenbruch der Internetseite der Veranstalter hingegen nicht so einfach. Vertrauensselig wie die Kommanderin ist, hat sie dem Mädl vom Tikketi-Office dann gleich mal die 18 Euros in bar dagelassen mit der Bitte, den Platz doch bei Gelegenheit zu reservieren und uns dann anzurufen wg. Reservierungsnummer usw. 2 Tage hören wir von der Bichs erstmal gar nichts, dann aber ruft sie an und meint, es hätte irgendwie geklappt. Wir können irgendwie parken, aber irgendwie nicht übernachten, blablabla... Naja, man schläft ja eh nicht viel auf solchen Veranstaltungen und irgendwie kommt man da schon irgendwo unter.

In Seinäjoki angekommen, jetten wir von einer Info-Stelle zur nächsten. Überall sind die Leute sehr hilfsbereit und sehr erstaunt über die Deutschen, die da auf dieses Festival wollen. Und am meisten staunen sie über den Namen der Kommanderin: "Is this a real german name?".

Irgendwann kommen wir auf unserem Campingplatz an. Na ja, Camping ist übertrieben. Es ist eher ein geräumtes Freibadgelände. Man darf auch KEINESFALLS im Auto auf dem Parkplatz übernachten, daher stellen wir erstmal zumindest pro forma ein Zelt auf.

Zeltplatz, am Anfang noch gemütlich leer Am Abend dann gemütlich voll.
Spätnachmittags latschen wir dann ins Festival rein, das Wetter ist natürlich wieder ausgezeichnet. Es ist sogar so ausgezeichnet, dass die Veranstalter gleich Hitzewarnungen ausgeben. Jaja, für Finnen wirds scheinbar ab 20°C gefährlich. Und angesichts der Preise für Essen und Getränke (v.a. Alkohol) könnte einem das Trinken schon vergehen. Alkohol gibts nur in extra abgezäunten Bereichen, in die man nur durch Security - Schleusen rein und raus kann. Und wenn man mal drin ist, dann vergehts einem ganz schnell: 4,5 Euro für ne 0,33 l Dose greislichen Dänenbieres. Pfui!!! Naja, die Finnen kennen es ja nicht anders und schlagen trotzdem kräftig zu. Natürlich darf man die Getränke nicht mit raus aufs Gelände nehmen und beim Bierchen gemütlich der Musik lauschen. Neeeiin.
Aufgrund dieser Einschränkungen haben die (sparsameren) Finnen zahlreiche Strategien entwickelt, um einen möglichst hohen Alkoholpegel erstmal zu erreichen und diesen dann möglichst weit oben zu halten - ggf. sogar ohne den Trinkerkäfig betreten zu müssen: Diese Strategien wurden durch die Kommanderin sorgsamst erforscht und sind hier nach Beliebtheit aufgelistet. Natürlich können diese Strategien beliebig kombiniert werden:

1. Möglichst viel Alkohol bereits am Campingplatz und auf dem Weg zum Festival zu sich nehmen. Dieses Vorgehen kann dann mit den folgenden Strategien kombiniert werden, um den Alkoholpegel möglichst stabil weit zu oben halten.
2. Alkohol an der Eingangskontrolle vorbeischmuggeln und versuchen, diesen drinnen zu trinken, ohne dass es einem der zahlreichen Sicherheitsleuten auffällt (z.B. Schnaps im Kaffeebecher, kleine Flachmänner, etc).
3. Alkohol draußen rund um das Gelände verstecken, ab und zu rausgehen und nachtanken. Es ist äusserst amüsant zu beobachten, wie kleine Grüppchen meist sehr junger Festivalbesucher mit großen Taschen in den Wald hüpfen, sich verstohlen umsehen und dann lustig kichernd wieder aus dem Wald heraushüpfen. Naja, wer weiss was die da drin sonst noch so gemacht haben.

Auf jeden Fall konnten wir mal wieder das eine oder andere nette, wenn auch nicht sinnvolle Gespräch mit angetrunkenen Finnen führen. Angesichts unserer unserer Reisekasse und unseres doch schon fortgeschrittenen Alters blieben wir hingegen (fast) nüchtern.

Favorisierte Band der Kommanderin: Eläkelaisset
Finnen lieben sog. "Humpamusik" und Eläkelaisset ist die berühmteste Humpa-Band in Finnland. Mein Konzertnachbar fand es total "weird", dass sich Deutsche so einen Schmarrn anhören. Wir fanden es allerdings sehr gemein von den Bandmitgliedern, dass die sich während ihrer Show das Bier und den Wodka nur so reingeschüttet haben, während wir draußen auf dem Trockenen saßen.
Favorisierte Band des Fähnrichs: Nightwish
Auch sehr finnisch, Mischung aus Heavy Metal und so Gothic-Zeug.
Was? Schon halb eins und noch so hell? Ja da schauen wir uns doch die 'Eagles Of Death Metal' auch noch an. Aber irgendwann langts dann doch und wir latschen gg halb drei nachts (oder morgens?), natürlich bei bester Beleuchtung, wieder heim zu unserem Camping, durch einen sehr schönen, mit reichlich Biervorräten versehenen Wald...
Den zweiten Tag sind wir dann schon wesentlich gemütlicher angegangen, da gings dann auch nicht mehr ganz so Heavy zu:
Vertreter der Weichei-Rock-Fraktion:
Snowpatrol
Estnisches Gemisch aus Björk und Kate Bush: lliris
Ja, das waren wirklich zwei sehr lustige und abwechslungreiche Tage, die uns nicht nur die finnischen (Rocker-)Seele etwas näher gebracht, sondern auch unseren Reisealltag etwas unterbrochen haben.
Aber auch Alltag kann schön sein, v.a. wenn es sich um Reisealltag handelt. Wir machen uns also wieder auf den Weg, diesmal Richtung Richtung Osten, zur finnischen Seenplatte bei Koli.