Naturreservat Elimyssalon luonnonsuojelualue: 20.06. - 22.06.12
Nachdem uns im Infozentrum von Kuhmo berichtet wurde, dass ALLE Finnen über das Mittsommerwochenende aufs Land zu ihrem Mökki fahren und die nächsten Tage ALLE Läden geschlossen sind, haben wir uns - wie ALLE Finnen - in den Hamsterkauf-Wahnsinn am Mittwoch vor Ladenschluss eingereiht. So mit reichlich Lebensmitteln versehen düsen wir los in das ebenso abgelegene, wie unaussprechliche o.g. Naturreservat. Denn ganz nah an der russichen Grenze, da gibts Bären zu sehen, heißt es (und natürlich alle anderen Tierchen).
Am ersten Abend unserer Tour postieren wir unser Observationsmobil geschickt oberhalb einer Lichtung und können so bequem auf dem Kanu sitzend die Lichtung überwachen. Das war zwar eine tolle Idee, Bären, Elche und Hirschen blieben uns aber weiterhin verborgen. Dafür war uns aber eine sehr schöne Landschaft und ein wunderwunderschönen Regenbogen vergönnt.
Observation
Regenbogen
Um den Bären, Elchen und Hirschen endlich auf die Schliche zu kommen, brechen wir am nächsten Tag mit Zelt und Schlafsack ins Zentrum des Waldgeschehens auf. Eine sehr schöne Wanderung durch unendliche Wälder und vermoorte Lichtungen. Die Reparaturarbeiten an den vermoderten Holzbohlenwegen wurden scheinbar jäh durch das Mittsommerfest unterbrochen und wir bewegen uns mehr oder weniger gut balancierend durch die Landschaft.
Holzbohlenwege durchs Moor
Irrläufer bzw. -flieger
Campierplatz
Bachlauf Ameisenhaufen
Aber abgesehen von einer Bärenspur, konnten wir hier leider auch nichts Großtierisches entdecken. Also weiter Richtung Norden...
Bärenspur
Bei unserem Zwischenstopp auf einem kleinen, gemütlichen Campingplatz bei Suomussalmi durften wir dann auch in den Genuss einer finnischen Mittsommerfeier werden.
Der Campingplatz war für bisherige Verhältnisse erstaunlich voll. Gleich bei der Ankunft begrüsst uns unser Nachbar unüblicherweise mit Handschlag und macht sich dann, mit der Gattin an einer Hand und mit einem 24erPack Bier in der anderen Hand auf die Runde rund um den Campingplatz. So scheinen es hier alle zu machen und kaum 2 Stunden später schwanken nicht nur unsere Nachbarn bedenklich ums Gelände. Die Kommanderin indessen - schon ziemlich finnisiert - hat sich gleich eine Stunde Abendsauna reservieren lassen und springt natürlich anschließend mehrfach in den eiskalten See. Damit befindet sie sich übrigens in guter finnischer Gesellschaft, denn Mittsommer ohne Sauna ist kein richtiger Mittsommer!
Die Privatsauna der Kommanderin mit eigenem Seezugang Sprung in den See - bei ca. 12°C Lufttemperatur
Irgendwann wirds ruhiger auf dem Campingplatz und der Fähnrich und die Kommanderin wagen sich ob des schönen, sonnigen Abends (wenn auch sehr kühl) mit ihren Stühlen an den See um den Sonnenuntergang zu genießen. Aber die Ruhe war trügerisch. Keine 10 Minuten später sind wir umringt von betrunkenen, aber sehr netten Finnen die uns erst wg. unserer warmen Kleidung auslachen. Ist doch Sommer, sagen die Finnen (trotz 12°C). Der Abend entwickelt sich prächtig, wir bekommen "echtes" deutsches Bier ausgegeben (Marke "Nobelaner" vom Lidl), Jägermeister spendiert und machen nette Bekanntschaften, u.a. mit einem ehemaligen Zirkusdirektor, Feuerschlucker und amtierenden Weltmeister in von-einem-Hubschrauber-kopfüber-an-einem-Seil-in-einer-Zwangsjacke-und-an-den-Füßen-gefesselt-sein-und-sich-rechtzeitig-befreien-bevor-das-Seil-darüber-durchbrennt-und-man-in-den-See-fällt-und-elendig-ertrinkt. 9,45 Sekunden, das ist der Weltrekord. Unsere Lektionen in finnischer Zirkus- und auch Kriegsgeschichte werden nur gelegentlich unterbrochen, wenn es mal wieder eine der werten Gattinnen umhaut. Also echt, die sind reihenweise und mehrfach einfach umgefallen, wir schwören !!!
Aber auch die härtesten Finnen (und Finninnen) müssen mal aufgeben und um halb drei morgens gehts (ohne Umfallen) zurück zu unserem Heim. Es war eine etwas bizarre Johannisnacht, aber auch ganz schön lustig.
Sonnenaufgang überm See bei unserer Heimkehr nach der Mittsommerfeier
Am nächsten Tag war dann auch gleich noch die Polizei da, weil so ne Verrückte die Kloschüssel mit nem Karatetritt zerdeppert hatte. Also da rührt sich was. Und wie wir das von anderen Touristen so mitbekommen haben, war das kein Ausnahmeabend in Finnland.
Um unsere Mission (Elch, Bär, Hirsch, etc.) nicht aus den Augen zu verlieren, verlassen wir am nächsten Morgen diesen Sündenpfuhl (der Zirkusdirektor hat sich schon wieder ein Nobelaner bereitgestellt) und setzen unsere Reise nach Norden fort, genauer gesagt in den Oulanka-Nationalpark. Dort wuseln diese Viecher nur so rum, heißt es....