Bialowieza Nationalpark: 02.05. - 04.05.2012
02.05.2012: Von Kazimierz Dolny zum NP Bialowieza

Nun endlich gehts einen großen Schritt Richtung Norden, Richtung Ostsee. Wir machen nur noch einen kleinen Schlenkerer Richtung Osten bis an die Grenze zu Weißrussland, zum Nationalpark Bialowieza, der in erster Linie für die recht große Population an Wiesenten in freier Wildbahn bekannt ist. Dreimal dürft ihr raten, was wir da sehen wollen... Aber erstmal gehts durch die polnische Provinz. Eine sehr schöne Fahrt, die Landschaft verändert sich doch merklich. Die Streu- und Straßendörfer weichen zugunsten eher geschlossener Ortschaften und Gehöften. Alleen ohne Ende, das eine oder andere orthodoxe Kirchlein taucht auf und schön langsam gehts auch mit den Störchen los... angeblich verbringt jeder 4. Storch auf der Welt seinen Sommer in Polen.

Hmm... so einfach wenn's wäre...
Gleich am Dorfeingang von Bialowieza finden wir einen wunderschönen Campingplatz. Sehr nette Besitzer, die sogar Deutsch sprechen (und uns damit nicht verarschen).
Wir halten uns aber nicht lange auf sondern radeln gleich zum Info-Büro des NPs. Dort kaufen wir uns ne Karte und fragen den dort anwesenden Ranger scheinheilig, wo wir denn am besten Wiesente in freier Wildbahn erleben können. Er ist nicht grade begeistert von unserer Frage, nennt uns aber – ohne Garantie – eine größere Lichtung bei xy (findet das doch selber raus!) und meinte dann noch, dass die Viecher dort so zw. halb vier und halb fünf morgens auftauchen, wenn überhaupt. Wie gesagt, keine Garantie...
Wir machen dann erstmal noch ne Erkundungsradltour um die beste Stelle für die Wiesent-Beobachtung ausfindig machen zu können. Eine sehr gute Idee, denn die Lichtung erweist sich als recht groß, so ca. 3km in der Länge. Einfach irgendwo hinstellen würde gar nichts bringen. Wir wissen natürlich auch nicht, an welcher Stelle die Wiesente auftauchen und aus welcher Seite vom Wald die Viecher rauskommen. So stapfen wir kreuz und quer durch den Wald, wehren uns gg. Äste, Zecken und sonstiges Getier und entscheiden uns schließlich für einen vermeintlich guten Platz – wird scho passen.
Am Campingplatz wird der Schlachtplan für morgen noch genau durchdiskutiert und schließlich von der Kommanderin für gut befunden. Veni, Vidi, schau mer mal...
03.05.2012: Die Kommanderin und der Fähnrich auf geheimer Mission

Nach dem am Vorabend der Plan gefasst wurde, setzen die beiden unerschrockenen Abenteurer diesen doch tatsächlich in die Tat um. Das heißt, um 2.15 Uhr morgens klingelt der Wecker. Schnelles Frühstück und schon geht es per Radl ca. 7km zum auserkorenen Beobachtungsposten. Bei stockfinsterer Nacht durch den Wald radeln? Da hört und sieht man Dinge...gruselig...

Oh, wie sich die Kommanderin freut, wenn sie um 2 Uhr morgens aufstehen und nachts 7km durch den Wald radeln darf...
Um 3.30 Uhr sind wir da, zehn Minuten später beziehen wir unseren Posten. Der Fähnrich war mal wieder sehr umsichtig und hat sich sogar unsere beiden Campingstühle auf den Rucksack geschnallt, so dass auch diese Forschungsreiese in aller Bequemlichkeit stattfinden kann.
Wir trauen uns kaum zu atmen, bewegen sowieso nicht, um die evtl. angaloppierenden Wiesente nicht zu verschrecken. Dazu kommt, dass wir ja gar nicht wissen, von welcher Seite die Viecherl evtl. kommen könnten. Jedes Knacken aus dem hinter uns liegenden Wald verursacht daher fast einen Herzinfarkt bei der ansonsten doch sehr tapferen Kommanderin. Aber eine rennende und ggf. hungrige Tonne Lebendmasse im Rücken trägt nicht grade zur Beruhigung bei.
Zunächst hören und sehen wir nichts... bald aber vernehmen wir ein dumpfes Pochen aus der Ferne...so hört sich wohl Wiesent-Schnaufen an... und wir können unser Glück kaum fassen, als wir nicht mal 20 Minuten später auf der gegenüberliegenden Seite der Lichtung 3 Wiesente erkennen können. Da es noch recht dunkel ist, sind sie zunächst nur als dunkle Flecke auszumachen, aber im Fernglas erkennt man sie doch recht gut. Netterweise tun uns die Wiesente den Gefallen, an dieser Stelle ca. 45 Minuten ihr Frühstück einzunehmen, so dass wir sie auch noch bei einigermaßen gutem Licht bewundern können. Pünktlich zum Sonnenaufgang verziehen sie sich wieder in den Wald.
Wir verharren noch ein Weilchen auf unserem Observationsposten und sonnen uns im Glanz unserer erfolgreichen Mission. Aber irgendwann merken wir, dass es A...-Kalt ist. So eilen wir denn los um ein bisschen Sonne abzukriegen. Nach einem 2. Frühstück irgendwo auf einer sonnigen Dorfwiese radeln wir selig heim zu unserem Campingplatz. Wir hätten erwartet, dass uns dort eine applaudierende Menge empfängt, aber die pennen alle noch! Um 7.00 Uhr, diese Schnarcher!!! Na ja. Dann nehmen wir halt unbeachtet unser 3. Frühstück ein, machen Siesta, nur um dann noch zu einer 2. Radltour mit nur noch 50km aufzubrechen. Uff!
Oh, wie sich die Kommanderin freut, wenn sie um 5.30 Uhr eine erfolgreiche Wiesent-Beobachtung hinter sich gebracht hat...
Und der Fähnrich freut sich auch, weil mit Willi Wiesent ein neues Besatzungsmitglied hinzugekommen ist.
04.05.2012: Von Bialowieza nach Sulwalki / Stary Folwark
Das Wetter ist - oh Überraschung - mal wieder fantastisch und wir hadern sehr mit uns, ob wir den schönen Campingplatz und unsere noch schöneren Wiesente allein lassen sollen. Aber unsere Mission (was war das nochmal?) muss fortgesetzt werden und so brechen wir weiter gen Norden auf. Wir machen kurz halt in Tykocin und Pentowo, dem Europäischen Storchendorf. Und weil das mit den Störchen so schön war, hier ein paar storchige Impressionen:
Abends etwas komplizierte Übernachtungsplatzsuche in der Nähe von Suwalki (entweder gabs gar nichts oder NIX für zuviel Geld), aber schließlich doch noch einen schönen Platz an einem der zahlreichen Seen gefunden.