Suwalki / Kanutour Czarna Hancza: 05.05. - 07.05.2012
05.05.2012: Kanushopping in Polen

Ja, da hat die Dame in der Touristeninfo überrascht geschaut, als wir ihr gesagt haben, dass wir nicht "renten" wollen, sondern "buyen". Ein Kanu nämlich. Zunächst hat sie geglaubt, unser Englisch-Vokabular ist so schlecht, aber irgendwann hat sie's doch geglaubt und uns nen Kontakt von nem Kanu-Renter in Stary Folwark gegeben. Also wir rein ins Auto und ab nach Stary Folwark. Dort haben wir die Frau Kanu-Renter angetroffen, die leider nur sehr spärlich Englisch sprach. Aber mit Hilfe von Gästen konnten wir auch ihr irgendwann glaubhaft machen, dass wir nicht "renten" sondern "buyen" wollen. Die gute Frau telefonierte dann viel und wir hatten den nächsten Kontakt in Malo Brody, einem Kaff in Nähe. Also wir rein ins Auto und ab nach Malo Brody. Dort angekommen, sehen wir eine wirklich sehr schöne Kajak-Fabrik... aber halt nur Kajaks... Auch dort spricht keiner Englisch, aber wir schaffen es, denen zu erklären, dass wir ein Kanu wollen und kein Kajak. Also wird wieder viel telefoniert, und wir bekommen den nächsten Kontakt von nem Bruder oder so... der hätte angeblich ne Kanu-Factory. Die ersten Anrufe bei ihm sind erfolglos, wir verlieren schon ein bisschen den Mut. Aber grad beim Shoppen im polnischen Aldi ruft uns der Kanu-Fabrikant höchstpersönlich an, er spricht gut Englisch, und wir vereinbaren ein konspiratives Treffen an der örtlichen Shell-Tankstelle. Von dort aus folgen wir seinem maroden Skoda ab in die Pampa zu seiner Kanu-Factory. Und keine halbe Stunde später sind wir Besitzer eines nagelneuen Kanus!

Die "Factory"
Kanu-Verladung
06.05. - 07.05.: Kanutour auf der Czarna Hanzca

Natürlich wollen wir unser neues Gefährt gleich testen und gehen auf eine 2tägige Kanutour - trotz schlechter Wetterprognose. Wir sind mittlerweile auf dem Campingplatz von unserem Erst-Kanu-Rent-Kontakt und können von dort aus direkt starten. Wir paddeln bei schönstem Wetter los, erst über den See bei der Halbinsel Wigri, dann - über einen geheimen Tunnel -rein in die Czarna Hanzca. Eine äusserst kurvige Angelegenheit. Die Kommanderin, die das Kanu natürlich selbst steuert, kann gar nicht relaxen, geschweige denn mal zum Bierchen greifen, was den Fähnrich wiederum sehr freut.

Ja so geht's den ganzen Tag dahin, links, rechts, links. Mal auch links, links oder rechts, rechts. Da ist die Kommanderin froh, dass abends ein schöner Zeltplatz gefunden wird. Von denen gibt's hier etliche, fast immer ausgestattet mit Brotzeitbankerl und -tischerl und Lagerfeuerstelle. Letzteres wird dann von den beiden forschen Flussforschern auch ausgenutzt und die Würstl - welche der Fähnrich unter Einsatz seines jungen Lebens bei der örtlichen Tankstelle besorgt hat - werden entsprechend gegrillt. Wohl dank der Rauchfahne kommt dann auch irgendwann der Zeltplatzbesitzer dahergetatscht zum Abkassieren. 2,5 euro... Frechheit ... unsere Einladung auf ein Grillwürstl lehnt er auch ab, selber schuld!
Am nächsten Morgen ist dann erstmal Schluss mit dem guten Wetter: Es ist recht kühl und die Sonne lässt sich nicht mal ansatzweise blicken. Das sind wir gar nicht mehr gewohnt. Trotzdem, oder deswegen, paddeln wir munter los. Die Kommanderin steuert das Kanu natürlich wieder selbst und wenn ich gestern über die vielen Kurven gejammert habe, dann war das etwas voreilig. JETZT ist der Fluss erst richtig gewunden und noch dazu liegen dauernd Bäume, Äste usw. direkt hinter der Kurve, so dass die Kommanderin äußerst wachsam sein und den Fähnrich exakt anleiten muss. Nicht immer gelingt das, und die eine oder andere (folgenlose) Baumkollision kann nicht verhindert werden. Die Kommanderin beschließt daraufhin, eine Aktion PRO FLUSSBEGRADIGUNG zu starten, dieses Rumgekurve ist ja unerträglich. Auch die Besatzung steht bereits kurz vor einer Meuterei und kann nur mit Mohnstrudel besänftigt werden.
Trotz Kälte und Regen (oder gerade deswegen?) sind wir schneller als gedacht an unserem vereinbarten Abholstandort, der Papstschleuse (Johannes Paul II natürlich), im Kanal Augustow (den haben wir auch noch ein bisschen befahren).
Fazit: Eine sehr, sehr schöne Kanutour. Vielleicht ein bisschen wärmer, vielleicht ein bisschen trockener und vielleicht hätte der Fluss ein bisschen gerader sein können, aber sonst...
ACHTUNG!
Aus gegebenem Anlass bittet der polnische Kanuverband um eine WERBEUNTERBRECHUNG
:
3 gute Gründe FÜR eine Kanutour in Polen:
1. Immer frische Luft und gesundes Essen und Trinken
2. Immer gutes Wetter und immer gute Laune
3. Interessante Orte entdecken
...ENDE DER WERBEUNTERBRECHUNG...
Ja das hört sich doch toll an, was der polnische Kanuverband uns da erzählt... also gleich weiter zu den masurischen Seen, um das Kanu weiterhin in vollen Zügen genießen zu können...